Manchmal interagieren wir unbewusst aus den Rollen des Opfers, des Retters oder des Verfolgers. Diese Rollen stehen einer authentischen, aufrichtigen Interaktion und echten Nähe im Weg. Der Wechsel der Rollen ist „vorprogrammiert“: Wenn wir jemanden retten, werden wir ihn unvermeidbar verfolgen. Dabei kann der Grad der Destruktivität variieren, doch das unangenehme Ende bleibt gleich: Ärger, Enttäuschung, Drama.
In jeder dieser Rollen steckt ein Element der (Selbst-)Abwertung: „Ich bin OK – Du bist nicht OK “ beim Retter und Verfolger, sowie „Ich bin nicht OK – Du bist OK “ beim Opfer. Eine harmonische Beziehung ist nur mit „Ich bin OK – Du bist OK“ möglich: Wenn wir uns ohne Rollen begegnen, also authentisch. Und wenn wir eigene Bedürfnisse und Erwartungen genauso berücksichtigen wie die des Anderen. Jeder Erwachsene ist OK, das heißt, er ist fähig zu denken, für sich selbst gut zu sorgen und Verantwortung für sich zu tragen.

| ROLLE | Unbewusster Glaubenssatz | Emotionale Merkmale | Antithese für rollenfreie, authentische Handlung |
| OPFER | “Ich schaffe es nicht allein”, “Ich kann es nicht” | Hilflosigkeit; innere Lähmung; Versagensangst; Passivität; Angst, zu jemanden zu enttäuschen | “Ich bin erwachsen, d.h. ich kann das Problem angemessen angehen. Oder über eine Unterstützung fair verhandeln.” |
| RETTER | “Ich helfe gerne und verzichte auf meine Bedürfnisse/Interessen, um zu helfen” | Sehnsucht nach Wertbestätigung, Befürchtung, ohne Anerkennung zu bleiben;Angst vor Ablehnung / Konfrontation | “Ich kann fragen, ob und in welcher Form meine Hilfe benötigt wird. Ich darf beim Helfen meine Bedürfnisse / Interessen (mit)berücksichtigen.” |
| VERFOLGER | “Ich habe auf meine Interessen/Bedürfnisse verzichtet, um dir zu helfen!” | Enttäuschung wegen einer nicht erfüllten Erwartung und wahrgenommener Abwertung; ”gerechter Zorn”; Verbitterung; Ärger; Wut | “Ich bin für meine Entscheidungen und Handlungen verantwortlich. Ich bin in der Lage, für mein Wohl gut zu sorgen.” |
- Der Verfolger fühlt sich im Recht, auf das Opfer geärgert zu sein, weil seine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Es is nur die Folge seines Handelns als Retter statt als authentischer Erwachsener.
- Der Retter rettet niemanden und ist manchmal unbewusst an der Hilflosigkeit des Opfers interessiert, um seine eigene Bedeutung, seinen Einfluss oder seinen Wert zu bestätigen.
- Das Opfer hat die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und neue Entscheidungen zu treffen.
© Steve Karpman 1968 © Dr. Kornyeyeva 2016 www.doktorlena.de

Dr. Lena Kornyeyeva und Dr. Stephen Karpman, Berlin, 2017
