Blog Image

Doktor Lenas Blog

Retter, Verfolger, Opfer: Rollen statt Authentizität

Emotionale Kompetenz & TA Posted on Mon, December 22, 2025 17:09:46

Manchmal interagieren wir unbewusst aus den Rollen des Opfers, des Retters oder des Verfolgers. Diese Rollen stehen einer authentischen, aufrichtigen Interaktion und echten Nähe im Weg. Der Wechsel der Rollen ist „vorprogrammiert“: Wenn wir jemanden retten, werden wir ihn unvermeidbar verfolgen. Dabei kann der Grad der Destruktivität variieren, doch das unangenehme  Ende bleibt gleich: Ärger, Enttäuschung, Drama.

In jeder dieser Rollen steckt ein Element der (Selbst-)Abwertung: „Ich bin OK – Du bist nicht OK “ beim Retter und Verfolger, sowie „Ich bin nicht OK – Du bist OK “ beim Opfer. Eine harmonische Beziehung ist nur mit „Ich bin OK – Du bist OK“ möglich: Wenn wir uns ohne Rollen begegnen, also authentisch. Und wenn wir eigene Bedürfnisse und Erwartungen genauso berücksichtigen wie die des Anderen. Jeder Erwachsene ist OK, das heißt, er ist fähig zu denken, für sich selbst gut zu sorgen und Verantwortung für sich zu tragen.

  • Der Verfolger fühlt sich im Recht, auf das Opfer geärgert zu sein, weil seine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Es is nur die Folge seines Handelns als Retter statt als authentischer Erwachsener.
  • Der Retter rettet niemanden und ist manchmal unbewusst an der Hilflosigkeit des Opfers interessiert, um seine eigene Bedeutung, seinen Einfluss oder seinen Wert zu bestätigen.
  • Das Opfer hat die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und neue Entscheidungen zu treffen.
ROLLEUnbewusster GlaubenssatzEmotionale MerkmaleAntithese für rollenfreie, authentische Handlung
OPFER“Ich schaffe es nicht allein”, “Ich kann es nicht”Hilflosigkeit; innere Lähmung; Versagensangst; Passivität; Angst, zu jemanden zu enttäuschen“Ich bin erwachsen, d.h. ich kann das Problem angemessen angehen. Oder über eine Unterstützung fair verhandeln.”
RETTER“Ich helfe gerne und verzichte auf meine Bedürfnisse/Interessen, um zu helfen”Sehnsucht nach Wertbestätigung, Befürchtung, ohne Anerkennung zu bleiben;Angst vor Ablehnung / Konfrontation“Ich kann fragen, ob und in welcher Form meine Hilfe benötigt wird. Ich darf beim Helfen meine Bedürfnisse / Interessen (mit)berücksichtigen.” 
VERFOLGER“Ich habe auf meine Interessen/Bedürfnisse verzichtet, um dir zu helfen!”Enttäuschung wegen einer nicht erfüllten Erwartung und wahrgenommener Abwertung; ”gerechter Zorn”; Verbitterung; Ärger; Wut“Ich bin für meine Entscheidungen und Handlungen verantwortlich. Ich bin in der Lage, für mein Wohl gut zu sorgen.” 

© Steve Karpman 1968 © Dr. Kornyeyeva 2016 www.doktorlena.de

Dr. Lena Kornyeyeva und Dr. Stephen Karpman, Berlin, 2017



«LASS UNS MIT EINANDER abwertungsfrei REDEN»

Emotionale Kompetenz & TA Posted on Mon, December 22, 2025 12:10:05

Jedem von uns ist es wichtig, gehört, gesehen, richtig verstanden und auf Augenhöhe behandelt zu werden — nur so entsteht ein gutes Gefühl bei der Kommunikation. 

Genauso wichtig ist es, über Emotionen angemessen zu reden – um sich richtig zu verstehen. Angemessen bedeutet: ehrlich und nicht abwertend. Abwertung wirkt auf uns unvermeidbar verletzend, bereitet uns unerwünschte Gefühle.

✅ Jede unerwünschte Emotion hat ihre Ursache und ihre Funktion — sie kann uns helfen, den erwünschten emotionalen Zustand wiederherzustellen. Gut dienen dabei kann die

HANDLUNGS-GEFÜHL-STELLUNGNAHME: 

«Als du …(dies)…. gesagt / getan hast, habe ich …(das)… gefühlt»

als Formel, die die Kausalität wertungsfrei offenlegt und ein gegenseitiges Verständnis und ein besseres Gefühl ermöglicht. Denn manchmal ist es uns nicht bewusst, welche Emotionen unsere Handlungen und Äußerungen bei Anderen auslösen. Beispiele: 

«Als Du meine E-Mail nicht beantwortet hast, habe ich mich traurig gefühlt».

«Als Du Dein Versprechen nicht angehalten hast, hat es mich geärgert».

«Wenn Du mit der Tür schlägst, bekomme ich Angst».

Eine angemessene Antwort darauf wäre beispielsweise: 

«Ich nehme wahr, dass Du Dich so … gefühlt hast, als ich …». 

Eine anschließende Handlung könnte sein, Verständnis auszudrücken oder eigene Verantwortung zu übernehmen bzw. um Entschuldigung zu bitten.

❗️ Aber fragen Sie zuerst, ob Ihr Partner bereit ist, Zeit und Aufmerksamkeit für dieses Gespräch aufzubringen. Und bitten Sie ihn, ehrlich und offen zu sein, so wie Sie offen und ehrlich mit ihm sind. So fühlt sich jeder auf Augenhöhe behandelt: gefragt, gehört, verstanden und berücksichtigt. Das hilft, wohltuende Nähe und eine gut funktionierende Beziehung wiederherzustellen oder aufzubauen. Das hilft auch, eine gute Sensibilität gegenüber Abwertungen zu entwickeln, um auf sie rechtzeitig und effektiv zu reagieren.



This website uses cookies. By continuing to use this site, you accept our use of cookies.